Sonntag 07. Oktober 2018 | Alter: 65 Tage

Mobilitätskonferenz am 6.10.2018

Von:  winkler

Freie Fahrt.. ? Mobilität im Münsterland

Schild einer Mobilstation

Verstopfte Straßen zur Rushhour, mangelnde Parkplätze und ungesunde Luft, Städte überlegen wie sie dem Herr werden können. Es ist Zeit für eine Mobilitätswende. Darüber wie sie aussehen könnte diskutierten Grüne aus Münster und dem Münsterland.
Eingeladen hatte die Grünenfraktion aus Münster. Einleitende Worte hatte unsere Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink. In einem Rückblick auf ihre Kindheit stellte sie die herausgehobene Stellung des Fahrrades dar. Kurze Wege wurden mit dem Fahrrad erledigt. Alle zwei Wochen wurde es gereinigt. Dies zeigt die Wichtigkeit des Fortbewegungsmittels zu der damaligen Zeit. Auch heute könnte das Fahrrad wieder eine zentrale Rolle spielen. Laut einer Untersuchung liegen die Hälfte aller täglichen Wege unter 5 Kilometer. Oberbürgermeister Markus Lewe sprach in seinem Grußwort von Überlegungen in Münster eine Stadtbahn zu installieren um die täglich 300.000 Einpendler auf die Schiene zu bekommen.
Kein gutes Haar an Münster ließ ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork. Münster als fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands ist stark ausbaufähig. Gerade noch befriedigend wäre als Schulnote auch nicht genug. Münster hat mit der Promenade einen ausgezeichneten Radschnellweg. Nur leider macht die Stadt zuwenig Werbung damit. Der neue münsteraner Hauptbahnhof ist fertig, doch obwohl bereits vorher bekannt war, das 6000 Fahrräder im Umfeld abgestellt werden, wurde nur Abstellfläche für 2.500 geschaffen.
In einem launigen Vortrag zeigte Prof. Dr. Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin auf warum sobald nicht mit einer Mobilitätswende gerechnet werden kann. Das Auto, wissenschaftlich als MIV ( motorisierter Individualverkehr) wird durch die Bundesregierung klar bevorzugt. Alleine 45 Gesetze bevorzugen den MIV und lassen alternative Lösungen nicht zu. So wird es das autonome Fahren nicht geben, weil die Straßenverkehrsordnung vorschreibt, dass mindestens eine Hand des Fahres am Lenkrad sein muss. Die Autohersteller und die Regierung sehen die Dieseltechnologie immer noch als Brückentechnik, obwohl diese Antriebstechnik tot ist. Weltweit wird für den PKW keine Dieselfahrzeuge mehr hergestellt. Auch an des Deutschen liebstes Kind dem Auto ging es in seinem Vortrag. Im Schnitt wird jedes Auto nur eine Stunde am Tag bewegt. Das Auto muss daher nicht mehr Privatsache sein, sondern Fortbewegungsmittel für alle. Carsharing oder Mitfahrermodelle sind zu fördern. Alle öffentlichen Flächen sollen zum Abstellen von Fahrzeugen gesperrt werden. Der frei werdende Raum muss den Menschen zur Erholung und Begegnung zurück gegeben werden.
Den Menschen wieder als Mittelpunkt zu sehen und nicht das Auto, dies war auch das Motto von Prof. Ineke Spapé. Als niederländische Gastrednerin berichtete sie von 40 Jahre Erfahrung bei der Umsetzung von Radwegen. Holland wird zu Recht als das Fahrradland gelobt. Breite und gut gesichterte Radwege laden sowohl Kinder wie ältere Menschen zum Radfahren ein. Ein Tipp an deutsche Planer: "Fangen sie einfach an und machen Fehler."
Den Satz nahmen die münsterländer Politiker mit in ihre Heimatgemeinde. Es war eine durchaus interessante Konferenz mit hochkarätigen Experten. Und es wird nicht die letzte gewesen sein.